Mein Ansatz

Mein Ansatz

Eine eigene Familie zu haben, ist für viele die schönste Sache der Welt. Und gleichzeitig ist es eine der größten Herausforderungen, für die wir keine Generalprobe hatten. Die meisten Eltern in Deutschland haben sich von der rein autoritären Erziehung, bei der es um Disziplin, Gehorsam und die Ausübung von Macht geht, abgewendet. Gegenbewegungen und damit der Wunsch nach einem partnerschaftlichen Verhältnis zum Kind haben in vielen Familien zu einer Überforderung der Kinder in Sachen Verantwortung geführt. Und die Eltern oft an den Rand der Erschöpfung gebracht, weil Kinder soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme nicht ausreichend entwickeln konnten. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder ein Maximum an Empathie und gleichzeitig eine klare Führung brauchen – „Lead fearlessly, love hard“ (Linda Cliatt-Wayman).

Heute geht es Eltern oft so, dass sie gewisse Dinge im familiären Zusammenleben verändern möchten, aber nicht wissen, wo und wie sie damit anfangen sollen. In einem Alltag, in dem wir uns häufig überlastet fühlen und Partnerschaft, Beruf und Kinder unter einen Hut bekommen wollen, reagieren wir in Konfliktsituationen mit unseren Kindern schnell impulsiv. Wir befinden uns in einem Hamsterrad, versuchen alles zu schaffen und finden keinen Ausstieg, um durchzuatmen und unseren Blick von oben auf unser Leben und unsere Familiensituation zu werfen. Aber genau dieser Blick von oben ist notwendig, wenn wir Dinge verändern wollen. Und es lohnt sich. Denn eine enge und vertrauensvolle Beziehung zu unseren Kindern ist wohl das Bereicherndste und Schönste auf der Welt.

Eine Bande braucht Führung, sonst gibt es Chaos und Machtkämpfe

In dieser heutigen Zeit, die viele als stressig und herausfordernd empfinden, ist es mir ein großes Anliegen, Empathie und liebevolle Führung in die „Familienbande“ zu bringen. Die Familienbande ist für mich die moderne Form einer Gruppierung mit einer oder zwei Anführer*innen, die die Verantwortung tragen. Eine Bande braucht Führung, sonst gibt es Chaos und Machtkämpfe. Und Führung müssen die Menschen mit der meisten Erfahrung übernehmen – in der Familie sind das die Eltern. Kinder bringen viel Weisheit mit auf die Welt, aber wenig Erfahrung. Deshalb können sie die Verantwortung innerhalb der Familie nicht übernehmen.

Wollen die Anführer*innen ihren Job gut machen, achten sie empathisch darauf, wie es jedem einzelnen Familienmitglied geht und was jede*r braucht. In dieser Gruppe zählt das Bedürfnis von jeder und jedem gleich viel und alle dürfen ihre Meinung äußern und sich zeigen. Auf dieser Grundlage treffen die Anführer*innen dann die Entscheidungen. Manchmal ist dabei Zeit für lange Diskussionen, manchmal muss aber auch schnell entschieden werden, wenn es die Situation verlangt. Dabei können die Anführer*innen auch von ihren eigenen Bedürfnissen absehen und sind bereit, selbst etwas dazu zu lernen. Sie sind in der Lage, Unpopuläres durchzusetzen und Gegenwind auszuhalten. Denn sie entscheiden nicht willkürlich – sondern auf Grundlage von Werten, die sie für alle transparent machen und die sie verteidigen. Sie besitzen die Offenheit und Stärke, sich persönlich zu zeigen und authentisch zu handeln. Das spüren die Familienmitglieder. Deswegen genießen die Anführer*innen ihr vollstes Vertrauen. In der Familie gibt es enge Beziehungen und Schutzräume. Natürlich gibt es auch Streit und stressige Zeiten. Diese können in der Familienbande einfacher und gemeinsam bewältigt werden.

Der Anführer*innen-Job klingt nach keinem leichten Job. Ist er auch nicht. Er ist der Antritt einer Reise, die sich lohnt. Und bei der jeder Schritt eine große Bereicherung ist.

Das Kind als vollwertiges soziales Wesen

Meine Arbeit wird beeinflusst durch verschiedene Ansätze aus Pädagogik und Kunst. Jesper Juuls Bild vom Kind als vollwertiges soziales Wesen, das es nicht zu verbessern gilt und das sich vom Erwachsenen nur hinsichtlich Erfahrung und Verantwortlichkeit unterscheidet, bildet die Grundlage meiner inneren Haltung. In meinen Workshops geht es deshalb auch um die Arbeit an sich selbst – als Voraussetzung, um mit dem eigenen Kind persönlich in Kontakt zu treten. Wer bin ich? Wer ist mein Kind? Stimmt das Gesagte mit dem überein, was ich empfinde und ausdrücken will? Auf diese Weise können wir in der Familie erfüllende Beziehungen leben, die von gegenseitigem Vertrauen und sozialem Miteinander geprägt sind.

Ich habe es in diesem Zusammenhang auch als lohnend empfunden, die eigene Sprache daraufhin zu überprüfen, wie oft wir Korrigierendes zu unserem Kind sagen und wie oft wir von uns selbst sprechen. Die Familienkonferenz von Thomas Gordon und die darin vermittelte annehmende und persönliche Kommunikation ist dabei ein hilfreicher Ansatz. Die Basis für einen Wandel im familiären Zusammenleben ist jedoch die Arbeit an der inneren Haltung gegenüber unserem Kind. Hier liegt der Hauptfokus meiner Workshops. Es reicht nicht, nur die „richtigen“ Worte zu wählen. Wir müssen immer hinterfragen: Kommt das, was ich rüberbringen will, beim Gegenüber auch so an?

Deshalb sind mir in meinen Workshops Praxisanteile sehr wichtig. Ich kann hier auf meine Ausbildung und jahrelange Erfahrung als Schauspielerin zurückgreifen. Für die Teilnehmer*innen sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Es geht nicht darum, Szenen zu spielen, sondern in einem geschützten Raum Situationen aus dem familiären Leben nachzustellen und verschiedene (Re-)Aktionsweisen auszuprobieren. In Kleingruppen findet jede*r im Trial and Error-Verfahren und durch konstruktives Feedback der anderen zu einem Selbstgefühl und zu einer persönlichen Authentizität. Hier fließen Methoden von Augusto Boal, Keith Johnstone und Maike Plath ein.

Eine Vision von der eigenen Familie haben

Viel Kraft gerade in schwierigen Zeiten ziehe ich persönlich daraus, dass ich eine Vision für meine Familie habe, mit der ich mich immer wieder verbinden kann. Hier habe ich den Ansatz der „7 Wege zur Effektivität für Familien“ von Stephen Covey zum Ausgangspunkt genommen, um mir bewusst zu machen, was mir im familiären Leben wirklich wichtig ist. An dieser Stelle schließt sich für mich der Kreis. Denn wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann verliere ich mich nicht so schnell und so oft in meinem Hamsterrad. Dann fällt es mir leichter, einen Schritt zurückzutreten und Gelerntes auch anzuwenden. Dann weiß ich, WARUM ich WIE handle. Dann verzeihe ich mir Fehler auf dem Weg, weil ich weiß, dass ich mit jedem Fehler etwas dazugelernt habe und mein Kind keine perfekte Mutter braucht. Dann bin ich dankbar über jeden kleinen Erfolg auf meiner Reise. Dann habe ich Freude und großen Spaß an meiner Familienbande.

Zum Download – 10 Anregungen zum täglichen Perspektivwechsel:

Fragen_Perspektivwechsel_Familienbande